Stuttgart – Nach gut einem Jahr zieht die Landesregierung eine erste Bilanz ihres Programms „Zukunftsprogramm Hochschule 2030“. Wissenschaftsministerin Petra Olschowski stellte sie am Dienstag, 3. November 2026, im Kabinett vor, wie die Landesregierung Baden-Württemberg mitteilte. 20 Hochschulen beteiligen sich, acht haben einen Vollantrag eingereicht; davon wurden bis Ende Oktober 2026 drei positiv beschieden. Sie bringen 313 neue Studienplätze in zukunftsorientierten Fächern.
Insgesamt sind für das Programm rund 180 Millionen Euro bis 2030 vorgesehen. Rund 100 Millionen Euro fließen in neue, vorgezogene Professuren; zudem unterstützt das Land mit 100 Millionen Euro bis zu 100 Transformationsvorhaben. Das sind Vorhaben, mit denen Hochschulen Studiengänge neu ausrichten, etwa in Cybersicherheit, Quantencomputing oder angewandter Künstlicher Intelligenz (KI). Rund 80 Millionen Euro gehen zum Beispiel in die weitere Digitalisierung der Lehre oder in die Stärkung der forschungsbasierten Lehre.
Stand der Anträge
Das Antragsverfahren beginnt mit einer Interessenbekundung. Diese erste Stufe haben 20 Hochschulen durchlaufen, darunter sechs Universitäten, zwölf Hochschulen für angewandte Wissenschaften, eine Pädagogische Hochschule und die DHBW. Acht von ihnen reichten bislang einen Vollantrag ein. Vorab prüfen die Hochschulen ihre geplanten Änderungen anhand einer Marktanalyse, in die auch die Wirtschaft einbezogen ist.
Die Vorhaben liegen vor allem in den Ingenieurwissenschaften und bei Zukunftstechnologien wie KI, Digitalisierung, Cyber Security, Robotik und Quantentechnik. Wichtig sind außerdem Verteidigungs- und Sicherheitstechnik sowie englischsprachige Studiengänge, mit denen neue Zielgruppen erreicht werden sollen.
Bewilligte Vorhaben
Als bewilligte Vollanträge listet die Mitteilung diese Studiengänge, jeweils mit Zahl der Plätze:
- Im Bachelorstudiengang Quantencomputing stehen 30 Plätze zur Verfügung.
- Für den Bachelorstudiengang Management kritischer Infrastruktur sind 36 Plätze vorgesehen.
- Der Masterstudiengang Sichere KI-basierte Systeme bietet 30 Plätze.
- Im Masterstudiengang Cyber Security werden 20 Plätze vergeben.
- Der Masterstudiengang KI-Ingenieurwissenschaften bietet 20 Plätze.
- Der englischsprachige Bachelorstudiengang Engineering and Management umfasst 70 Plätze.
- Im Bachelorstudiengang Energieversorgung stehen 20 Plätze bereit.
- Der englischsprachige Bachelorstudiengang Internationaler Maschinenbau hat 40 Plätze.
Dazu kommen Erweiterungen bestehender Studiengänge: BA Automotive/Aerospace Engineering (12 Plätze), BA Wirtschaftsingenieurwesen (8 Plätze), BA Wirtschaftsinformatik (15 Plätze) und BA IT-Security (12 Plätze). Weitere acht Vollanträge liegen zur Beurteilung vor, darunter BA Autonomous Systems and Drones, BA Angewandte künstliche Intelligenz und MA Zukunftsfähige Landnutzung. Zusätzliche Interessenbekundungen liegen von Universitäten, Hochschulen für angewandte Wissenschaften, einer Pädagogischen Hochschule und der DHBW vor.
Was Politik und Hochschule sagen
Ministerpräsident Cem Özdemir nannte das Programm nach der Ministerratssitzung ein „wegweisendes Instrument“, das Veränderungsprozesse an den Hochschulen „schnell und unbürokratisch“ ermögliche. Olschowski sagte, das Programm habe an den Hochschulen die größte Anpassung der Studiengangportfolios seit den Ausbauprogrammen angestoßen.
Rose Marie Beck, Rektorin der Hochschule Karlsruhe, sagte, das Programm gebe den Hochschulen den nötigen Freiraum. Als Beispiel nannte sie den neuen Studiengang Quantencomputing, der in diesem Wintersemester an der Hochschule Karlsruhe gestartet ist.
Rahmen: Hochschulfinanzierungsvereinbarung III
Das Zukunftsprogramm ist Teil der Hochschulfinanzierungsvereinbarung III (2026-2030), die zum 1. Januar 2026 gestartet ist. Sie erhöht die Grundfinanzierung der Hochschulen jährlich um 3,5 Prozent. Im Jahr 2030 soll sie dadurch rund 700 Millionen Euro höher liegen als 2025. Rund 200 Millionen Euro davon sind zusätzliche Mittel, die die Hochschulen frei einsetzen dürfen. Die vereinbarten Personalkosten trägt das Land vollständig, einschließlich künftiger Tarifabschlüsse.
Das Programm besteht aus vier Bausteinen: einem weiterentwickelten Ausgleichsmechanismus, der sich nach den Studierendenzahlen am jeweiligen Standort richtet; Transformationsbudgets mit insgesamt 81 Millionen Euro bis 2030; Transformationsstellen mit bis zu 100 Millionen Euro bis 2030, über deren Professuren fortlaufend entschieden wird; und die Option, Studienkapazitäten hochschulübergreifend anzupassen.
Kurzfassung
- Vorstellung im Kabinett: Dienstag, 3. November 2026
- Mittel insgesamt: rund 180 Millionen Euro bis 2030
- Bewilligt bis Ende Oktober 2026: drei Vollanträge mit 313 neuen Studienplätzen
- Beteiligt: 20 Hochschulen, acht mit Vollantrag
Bewertung
Das Programm setzt sichtbar auf Studienplätze in gefragten Technikfeldern, und die Projektliste zeigt konkret, was entsteht. Offen bleibt, wie viele der übrigen Anträge bewilligt werden und ob die Marktanalysen der Hochschulen tragen. Die Mitteilung nennt dazu noch keine Ergebnisse.

