Nr. 308

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Gesundheit & Soziales

Weinheim: Vortrag über den Alltag im Nachkriegsjahr 1946

Weinheim – Wie sah das Leben in Weinheim kurz nach dem Krieg aus? Darüber informiert am Dienstag, 10. November, um 19 Uhr ein Abend im Museum der Stadt am Amtshausplatz. Alexander Boguslawski vom Förderkreis Museum berichtet dort von Gesprächen mit Menschen, die als Kinder und Jugendliche den Nachkriegsalltag erlebt haben, und von den Inseraten eines damaligen Anzeigenblatts. Zur Diskussion mit den Gästen ist er ebenfalls bereit, teilte die Stadt Weinheim mit.

Als Hintergrund nennt die Stadt: Am 28. März 1945 rückten US-amerikanische Streitkräfte in Weinheim ein und übernahmen die Macht von den letzten Nationalsozialisten, die noch Widerstand leisteten. Am Rathausturm hing danach die weiße Flagge. Die Menschen waren vor allem froh, dass Fliegeralarme und die Angst vor Angriffen vorbei waren. Von Weinheim aus war über Wochen und Monate zu hören und zu sehen, wie der Krieg über Mannheim und Ludwigshafen tobte. Weinheim selbst blieb nach Angaben der Stadt weitgehend ohne die Folgen des Bombenkriegs. Trotzdem begann für die Stadtgesellschaft ein jahrelanger, mühsamer Weg, den Alltag nach dem Ende der NS-Zeit wieder in geordnete Bahnen zu lenken. Heinz Keller (Jahrgang 1930), Journalist aus Weinheim, erklärte, es sei „die Ungewissheit, wie es weitergehen wird, die das erste Friedensjahr 1946 prägte.“

Das Anzeigenblatt „Die Bergstraße“

Im Februar 1946 kam, von der Militärregierung genehmigt, „Die Bergstraße“ heraus, ein „Kleinanzeigenblatt für den Stadt- und Landbezirk Weinheim A.D.B.“. Am 2. Februar brachte die Druckerei Philipp Knapp in der Stadtmühlgasse 1 die erste Nummer heraus, ein Wochenblatt mit zwei Seiten. Anhand der Anzeigen soll im Vortrag lebendig werden, wie der Alltag in Weinheim damals aussah.

In den Spalten wurden Wohnungen gesucht, teils gegen eine Wohnung in einer anderen Stadt zu tauschen. Kleingärtner und Selbstversorger suchten Gemüsesetzlinge, Saatgut, Nutztiere und Futter. Vieles wurde zum Tausch angeboten, etwa nach dem Muster „Biete Nudelmaschine, suche Radio“. Wer ein Geschäft wieder eröffnete, gab das bekannt, ebenso Arztpraxen. Vereinzelt suchten Anzeigen nach Vermissten, die weder aus dem Krieg noch aus der Gefangenschaft zurück waren. Dazu gab es sehr viele Heiratsanzeigen von Alleingebliebenen und Zugewanderten.

Kurzfassung

  • Termin: Dienstag, 10. November, 19 Uhr
  • Ort: Museum der Stadt, Amtshausplatz, Weinheim
  • Referent: Alexander Boguslawski vom Förderkreis Museum
  • Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht nötig.

Bewertung

Zeitzeugengespräche und Kleinanzeigen zusammenzubringen, verspricht einen anschaulichen Blick auf den Alltag. Wer sich für die Stadtgeschichte interessiert, kann ohne Anmeldung einfach vorbeikommen. Die Diskussion mit dem Referenten dürfte den Abend lebendiger machen als ein reiner Vortrag.

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Symbolbild: Weinheim · Foto: Tilman2007, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons (Datei · Lizenz)

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