Wiesloch – In Wiesloch beginnt der Bau einer Photovoltaik-Freiflächenanlage, die Stromerzeugung und Artenschutz auf derselben Fläche zusammenbringen soll. Die Stadt und die Stadtwerke Wiesloch haben dafür den Spatenstich für das Projekt Grumbwiesen gesetzt, wie die Stadt Wiesloch mitteilte. Die rund 2,6 Hektar große Fläche liegt am Ortsteil Frauenweiler, nahe dem Gewerbe- und Industriegebiet „Großer Stadtacker“.
Technik und Kosten
Geplant sind rund 3.500 Solarmodule auf Modultischen. Diese beginnen etwa einen Meter über dem Boden und ragen bis zu drei Meter hoch. Die Leistung soll rund 2,3 Megawattpeak betragen, erwartet werden etwa 2,49 Millionen Kilowattstunden Strom im Jahr. Rechnerisch deckt das den Jahresbedarf von rund 650 Vierpersonenhaushalten in Einfamilienhäusern, bei durchschnittlich 3.800 Kilowattstunden je Haushalt ohne elektrische Warmwasserbereitung. Der Strom fließt vollständig ins öffentliche Netz. Nach den vorliegenden Berechnungen lassen sich jährlich rund 1.174 Tonnen CO₂ vermeiden. Die Gesamtkosten sind mit 1,75 Millionen Euro netto veranschlagt.
Lebensraum für Eidechsen
Die Fläche dient zugleich dem artenschutzrechtlichen Ausgleich. Im nördlichen Teil wird der Lebensraum der Mauereidechsen, die dort leben, bewahrt. Im Süden entsteht ein Ersatzlebensraum für Zauneidechsen, die wegen des geplanten Radwegs im Bereich des Bebauungsplans „HDM Digital Campus“ umgesiedelt werden müssen. Bestehende Gehölze und zusätzliche Bepflanzung sollen die beiden Teile trennen, damit keine Mauereidechsen in das Gebiet der Zauneidechsen wandern.
Die Modulreihen stehen mit 4,10 Metern Abstand, damit mindestens 2,50 Meter breite besonnte Streifen bleiben. Dadurch passen weniger Module auf die Fläche als bei konventioneller Belegung, was die Verantwortlichen als gezielten Teil der Planung sehen. Der Zaun erhält ausreichend Bodenabstand, damit Kleintiere die Anlage durchqueren können. Die Fachleute betonten beim Spatenstich, dass diese Verbindung nicht selbstverständlich sei. So müssen keine zusätzlichen landwirtschaftlichen Flächen für den Artenschutzausgleich in Anspruch genommen werden.
Erstes von vier Projekten
Oberbürgermeister Dirk Elkemann sagte beim Spatenstich: „Ein Solarprojekt bei diesem Wetter vorzustellen, macht Spaß. Ich freue mich sehr, dass wir tatsächlich den Startschuss geben.“ Er nannte das Vorhaben bedeutsam für die Energiewende. Klimaschutz sei kein Selbstläufer, in der Planung seien Schwierigkeiten und unterschiedliche Interessen zu bearbeiten gewesen. Elkemann dankte den externen Partnern. Sichtbar werde das Vorhaben voraussichtlich ab Anfang 2027.
Die Anlage ist das erste von vier Projekten, die bei den Stadtwerken in der Pipeline liegen und nun umgesetzt werden sollen. Die lange Planungsphase erklärt die Stadt damit, dass geeignete Flächen oft schon mit anderen Anforderungen belegt sind, die zuerst geklärt werden müssen.
Beim Termin waren neben Elkemann Raphael Schneider als Projektleiter und Jörn Jensen vom Team PV Anlagen der ausführenden Firma SPIE Energy Solutions dabei, außerdem Ronja Timm-Geske und Aron Winkelmann, die für John Becker Ingenieure vor Ort waren. Für die Stadtwerke nahmen Leiterin Petra Hoß, Hazem Alali und Franck Eric Fogang teil.
Bewertung
Dass die Reihenabstände bewusst weit gewählt werden und dafür weniger Module aufgestellt werden, zeigt, dass der Artenschutz hier mehr sein soll als Pflichtprogramm. Offen bleibt, wie sich die Eidechsenlebensräume nach dem Bau entwickeln und wer das überprüft. Dazu sagt die Mitteilung nichts. Ebenso fehlt ein Zeitplan für die Fertigstellung.
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