Nr. 310

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Wirtschaft

Partyservice aus der Metzgerei: Nordbadens stille Festtagsküche

Zwischen Mitte November und Neujahr klingelt in den Metzgereien zwischen Karlsruhe, Bruchsal und dem Kraichgau das Telefon anders als sonst im Jahr. Bestellt wird nicht das Wochenend-Grillfleisch, sondern das Festessen: der Braten für zwölf Personen, die kalte Platte für den Geburtstag, das komplette Buffet für die Vereinsweihnachtsfeier. Der Partyservice der Metzgereien ist in Nordbaden eine Institution, über die selten geschrieben wird, die aber in der Festsaison einen großen Teil der privaten Feiern verpflegt. Wer einmal eine Familienfeier über einen Metzger ausgerichtet hat, kennt den Ablauf: vorbestellen, abholen, aufwärmen, auftragen. Dass das so reibungslos funktioniert, liegt an einer eingespielten Mechanik hinter der Ladentheke.

Ein unscheinbarer Teil dieser Mechanik ist die Schale, in der das Essen das Haus verlässt. Durchgesetzt hat sich Aluminium, weil es den gesamten Weg mitgeht: vom Kühlhaus der Metzgerei über den Kofferraum des Kunden bis in dessen Backofen. Der Fachhandel führt Aluschalen mit Deckel in Größen von der Beilagenschale bis zum Format für den ganzen Braten, bei Großhändlern wie Gehlen Verpackungen auch runde und geteilte Schalen, und die Betriebe decken sich vor der Saison kartonweise damit ein. Für den Kunden bedeutet das: Er bekommt sein Festessen ofenfertig übergeben und muss nach der Feier nichts zurückbringen, kein Geschirr spülen und keine Transportkisten verwalten.

Vom Schlachtfest zum Buffetgeschäft

Der Partyservice ist für viele Metzgereien längst mehr als ein Nebengeschäft. Während der klassische Thekenverkauf seit Jahren unter Preisdruck steht und die Zahl der Metzgereien in Baden-Württemberg kontinuierlich sinkt, wächst die Nachfrage nach fertigem Essen für private Feiern. Für die verbliebenen Handwerksbetriebe ist das eine wirtschaftliche Säule mit planbaren Mengen und besseren Margen als an der Theke. Mancher Betrieb in der Region macht in den sechs Wochen vor Weihnachten einen erheblichen Teil seines Jahresumsatzes mit Platten, Braten und Buffets.

Dabei kommt dem Handwerk eine alte Stärke zugute: Metzgereien haben Küche, Kühlhaus und Personal, das große Mengen gewohnt ist. Was früher beim Schlachtfest im Dorf auf den Tisch kam, läuft heute als durchorganisiertes Bestellgeschäft mit Abholzeiten im Viertelstundentakt.

Kalt, warm, ofenfertig

Das Angebot gliedert sich in den meisten Betrieben in drei Linien. Die kalte Platte ist die einfachste: Aufschnitt, Käse, Garnitur, angerichtet auf Mehrwegplatten oder Einwegunterlagen, fertig zum Hinstellen. Die zweite Linie sind warme Gerichte zum Selbst-Aufwärmen, und hier spielt die Aluschale ihre Stärke aus. Der Rollbraten mit Soße, die Schupfnudeln, das Rotkraut: Alles wird am Vortag gegart, in Schalen abgefüllt, gekühlt und dem Kunden mit einer einfachen Anweisung übergeben, etwa neunzig Minuten bei hundertvierzig Grad, Deckel drauflassen. Der Kunde stellt die Schale direkt in den Ofen, nichts muss umgefüllt werden, und die Küche zu Hause bleibt sauber.

Bei der kalten Platte wiederum liegt die Tücke im Zeitfenster. Aufschnitt und Käse vertragen keine lange Fahrt im warmen Auto und keinen Nachmittag auf dem Gabentisch. Erfahrene Betriebe geben deshalb den Hinweis gleich mit: kühl transportieren, erst kurz vor den Gästen auspacken, Reste zügig zurück in den Kühlschrank. Wer weiter weg wohnt, bekommt die Platte auf Wunsch mit Kühlakku und Folie übergeben, damit auch die halbe Stunde über die Dörfer kein Risiko wird.

Die dritte Linie ist das gelieferte Buffet mit Aufbau vor Ort, meist für Vereinsfeiern und Firmenessen. Hier arbeiten die Betriebe mit Thermoboxen und Speisenwärmern, aber auch dort stecken die einzelnen Komponenten häufig in denselben Schalen, weil sie sich stapeln lassen und die Reste nach der Feier gleich beim Gastgeber bleiben können. Gerade dieser letzte Punkt wird unterschätzt: Übrig gebliebener Braten in der Schale mit Deckel wandert beim Kunden einfach in den Kühlschrank, und am nächsten Tag noch einmal in den Ofen.

Die Festsaison will im Oktober geplant sein

Was der Kunde als spontane Bestellung erlebt, ist auf Betriebsseite ein Planungsgeschäft. Die Bestellschlüsse für Weihnachten liegen in vielen Metzgereien Anfang bis Mitte Dezember, die Abholfenster am 23. und 24. Dezember sind durchgetaktet wie ein Fahrplan. Kühlhaus-Kapazität, Personal und Material werden ab Oktober disponiert. Zum Material gehören neben Rohware und Gewürzen eben auch die Schalen, Deckel und Platten, und zwar in Mengen, die Außenstehende überraschen: Ein mittlerer Betrieb gibt an einem einzigen 23. Dezember leicht mehrere hundert Schalen aus. Geht der Vorrat in der Woche vor dem Fest zur Neige, zählt beim Nachschub jeder Tag, weshalb viele Betriebe auf Lieferanten mit eigenem Lager in der Region setzen statt auf Versandhandel mit ungewisser Paketlaufzeit.

Auch die Mengenberatung gehört zum Geschäft. Die Faustregeln der Metzger sind über Jahrzehnte erprobt: 150 bis 200 Gramm Fleisch pro Person beim Buffet, eher mehr, wenn spät gegessen wird, dazu zwei bis drei Beilagen. Wer unsicher ist, bekommt am Telefon eine ehrliche Einschätzung, denn ein Stammkunde, dem das Essen ausging, bestellt nächstes Jahr woanders. Diese Beratung ist der eigentliche Unterschied zum anonymen Online-Catering, und sie ist der Grund, warum der Partyservice der Metzgereien in der Region so stabil läuft. Welche Hygiene- und Kühlregeln für Speisen gelten, die außer Haus gehen, beschreibt ein Beitrag aus Südbayern.

Nach Weihnachten ist dabei nicht Schluss. Silvester bringt die zweite Welle mit Fondue- und Raclette-Platten, und im Januar folgen die Vereine mit ihren Jahresfeiern, die traditionell dann stattfinden, wenn die Säle wieder frei sind. Für die Betriebe heißt das: Die Saison läuft faktisch von Mitte November bis Ende Januar, und wer seine Material-Disposition nur bis Heiligabend denkt, steht im Januar mit leeren Regalen da.

Warum das Modell Zukunft hat

Einiges spricht dafür, dass dieses Geschäft weiter wächst. Private Gastgeber feiern wieder häufiger zu Hause, weil der Restaurantbesuch mit größerer Runde teuer geworden ist und Säle samt Bewirtung rar sind. Gleichzeitig fehlt in der Gastronomie das Personal, sodass manche Wirtschaft größere Gesellschaften gar nicht mehr annimmt. Der Partyservice füllt genau diese Lücke: professionell gekochtes Essen ohne Service-Personal, abgeholt oder geliefert, zu einem Preis, der pro Kopf deutlich unter dem Restaurantniveau liegt.

Für die Metzgereien in Nordbaden ist das eine seltene gute Nachricht in einem schwierigen Handwerksumfeld. Und für die Gäste einer Feier bleibt am Ende ein Eindruck, der bodenständiger kaum sein könnte: ein heißer Braten aus dem eigenen Ofen, von dem niemand wissen muss, dass er aus der Schale der Metzgerei kommt. Wer in diesem Winter eine Feier plant, kann das Modell leicht selbst testen. Der Bestellschluss kommt schneller, als man denkt.

Recherche und Schreiben dieses Beitrags erfolgten mit KI-Unterstützung.

Lokalteil Baden-Württemberg